Geschichten

In meiner schriftstellerischen Arbeit sind mir die Beziehungen zwischen Menschen und die Liebe zur Natur sehr wichtig. Ich versuche, die kleinen poetischen Details des Alltags einzufangen, und interessiere mich dafür, wie man Musik in Texten darstellen kann. 

Unten findest du ein paar Einblicke in meine Geschichten.

Notizbuch Schreiben Geschichten Schriftstellerin junge schweizer Autoren

Wie man das Sonnenlicht einfängt (2017)


„Dann setzte sie sich und begann zu spielen, und mit den Tönen lösten sich die Geschichten von den Saiten... Von der Einsamkeit, die zwischen den staubigen Borsten eines Malerpinsels klebte. Spielkarten, die ihre Farbe änderten. Flüssiges Licht, das man in blauen Glasflaschen einfangen konnte.“

Wie man das Sonnenlicht einfängt Lea Cadisch

Es sind Tagträumer und Glückssuchende, die durch die Erzählungen und Schnipsel dieses Kurzgeschichtenbandes stolpern, mit grossen Augen und manchmal etwas verloren in der verwinkelten Welt, die sie umgibt. Sie machen Musik oder sitzen mit den Beinen baumelnd auf einer Mauer. Sie bemalen die Wände und erzählen sich Geschichten. Und immer wieder ist da das Licht, das sie in Bildern oder in Flaschen einzufangen versuchen; gegen das sie anblinzeln, wenn es da ist, und das sie sich herbeiwünschen, sobald es verschwindet.


Kleine Kostproben

Lea Cadisch Geschichten Morgenstimmung

Morgenstimmung

Ich mag die Felder, wenn sie nass sind vom Regen. Wenn man sich nach dem Hindurchlaufen Grashalme von den nackten Beinen zupfen muss. Die feuchte Erde riecht dunkelsüss und schwer. Weiter hinten steigt die Sonne gerade erst empor, kitzelt die obersten Baumwipfel, das Morgenlicht tropft an den Ästen hinab und fliesst langsam, zäh über die Landschaft wie Honig...

Lea Cadisch Geschichten Vivaldi

Vivaldi hätte den Kopf geschüttelt

Nach dem Konzert stiess er die Wohnungstür auf und knipste das Deckenlicht an. Hinter ihm stolperte Chiara herein, die grosse Hülle mit dem Cello auf dem Rücken. Lukas drehte sich auf halbem Weg noch einmal um; wie immer zog er seinen kantigen Schatten hinter sich her, der lautlos über die Wände und das Barklavier in der Ecke glitt...

Lea Cadisch Geschichten Glyzinien

Glyzinien

Irgendwo da oben schwebt ein Flugzeug. Und sie liegt hier auf dem mit Kissen gepolsterten Sofa und stellt sich vor, sie könnte durch die Decke hindurch geradewegs in den Himmel schauen. Ihre Haare fächern sich über die Kissen aus, einen Arm hat sie nach oben über den Kopf gestreckt. Sie schliesst die Augen. Ob sie noch wissen wird, wo sie ist, wenn sie am nächsten Tag aufwacht?