Warum schreibe ich?

Ich kann mir ein Leben ohne Schreiben kaum vorstellen. Das hier ist der Versuch einer Antwort auf die Frage, was mir am Schreiben so wichtig ist.

Warum ich schreibe...

- ORDNUNG: um meine Gedanken und die Welt um mich herum zu ordnen (schreibend die Welt begreifen).

- NEUGIERDE: weil ich Bücher liebe und gern in andere Welten und in die Perspektive anderer Menschen eintauche – sowohl lesend als auch schreibend.

- MENSCHLICH: ich bin fasziniert von der menschlichen Fähigkeit, Kunst zu erschaffen – etwas, das über das reine Überleben hinausgeht. Unsere kulturelle Vielfalt ist riesig, und ich möchte mitmachen und auch etwas zu dieser Vielfalt beitragen.

- GEHEIMNISVOLL: weil beim Schreiben vieles offen bleibt und der Leser, die Leserin sich beim Lesen eigene Bilder macht, eröffnen Bücher meiner Meinung nach eine noch vielfältigere Welt als beispielsweise Bilder oder Filme. Jeder und jede liest denselben Text ein wenig anders, und das fasziniert mich.

- LIEBEVOLL: ich halte die Welt für eine wunderbare Schöpfung und möchte möglichst viel Schönes darin wahrnehmen – auch scheinbar „unwichtige“ Details – und mit anderen Menschen teilen.

- MAGISCH: nicht zuletzt: Etwas Neues ins Leben zu rufen, ist für mich eine Form von Magie. Das Gefühl, etwas geschaffen zu haben, das vorher in dieser Welt nicht existierte, ist überwältigend.

...und wie ich schreiben möchte.

Ich möchte die Details des Lebens einfangen und den Blick darauf wenden: der Lichtstrahl auf dem Fensterbrett; das Gefühl der Frische auf der Haut, wenn man frühmorgens unterwegs ist; die Schönheit in der Vergänglichkeit, z.B. bei einer welkenden Blume. Besonders die Natur ist mir dabei wichtig.

Ebenso beschäftigen mich die Menschen: Wie versuchen wir auf individuelle Weise zu existieren und mit unserer Präsenz etwas Bedeutungsvolles zu erschaffen in diesem Chaos, das wir das Leben nennen? Was sind unsere Träume, Sehnsüchte, Fragen?

Dabei möchte ich auch Negatives, Dunkles, Verwirrendes einfangen: Geheimnisse, falsche Entscheidungen, Ängste. Ein Tick Düsternis als Kontrast macht die Schönheit der schönen Elemente noch wertvoller.

Was mich besonders fasziniert, sind Momente, in denen Realität und Fiktion ineinander übergehen. Meine Geschichten spielen in realen Welten, aber immer wieder kommen kleine surreale Elemente vor: Träume, die sich als prophezeiend erweisen, Verwandlungen, Begegnungen mit Verstorbenen. Solche Momente verbildlichen und akzentuieren für mich das (sehr reale) Gefühl, dass wir Menschen Teil von etwas Grösserem sind, das wir vielleicht nie ganz verstehen können. Die Welt, in der wir uns befinden, kann sich sehr gross, überwältigend, auch unheimlich anfühlen, aber trotzdem ein Ort der Geborgenheit sein. Diese Kontraste faszinieren mich und zeigen mir immer wieder neu auf, wie wertvoll und besonders das Leben ist.

Ich hoffe, mit meinen Geschichten meinen Leserinnen und Lesern ein Stück dieses Gefühls von Magie und Verbundenheit und Liebe zur Welt mitgeben zu können, das ich selber empfinde.